Ein Einstieg in Gouache - Grundlagen der Farbmischung
Lerne die Grundlagen der Gouache-Farbmischung: Primärfarben, Farbkreis, Helligkeit und Sättigung einfach erklärt – inklusive Tipps für Anfänger und erste Übungen mit Gouachefarben
Gouache erlebt gerade ein echtes Comeback – und das völlig zurecht. Die Farben verbinden die leuchtende Intensität von Acryl mit der weichen Wasserlöslichkeit von Aquarell und eignen sich perfekt für Illustrationen, Skizzen und farbenfrohe Experimente. Gerade für Anfänger ist Gouache ein wunderbares Medium, um spielerisch ein Gefühl für Farben und Farbmischung zu entwickeln.
In diesem Beitrag lernst du die Grundlagen der Gouache-Farbmischung kennen: von Primär- und Sekundärfarben über den Farbkreis bis hin zu Helligkeit, Sättigung und harmonischen Farbkombinationen. Außerdem zeige ich dir, welches Material du für den Einstieg brauchst und worauf du beim Malen mit Gouache achten solltest.
Gouachefarben sind wasserlöslich und können sowohl deckend als auch lasierend verwendet werden. Du kannst sie dir in etwa als Mischung aus Acryl- und Aquarellfarben vorstellen. Sie sind meist in Tuben erhältlich, können aber, wenn sie antrocknen, jederzeit wieder mit Wasser angelöst und weiterverarbeitet werden. Beim Malen mit Gouache solltest du daher darauf achten, dass du nicht mit verdünnter Farbe über bereits angetrocknete dicke Farbe gehst, weil du diese dann wieder anlöst und verwischst. Am besten arbeitest du also schichtweise von dünn nach dick und von dunkel nach hell.
Für den erfolgreichen Start mit Gouache benötigst du:
- Ein Grundfarben-Set (hier: Schmincke AKADEMIE Gouache Grundfarben-Set mit Primärfarben, Schwarz und Weiß)
- Papier (am besten mattes oder feingekörntes bzw. kaltgepresstes Aquarellpapier)
- Eine Palette (wenn du keine hast kannst du einfach einen glatten, abwaschbaren Untergrund nehmen, z. B. einen Porzellanteller, eine Glasscheibe oder Plastikfolie)
- Optional für die Farbmisch-Übungen: Maskier-Tape, Bleistift und Radierer, einen Zirkel
- 2 Gläser mit Wasser (eins zum Reinigen des Pinsels, eins zum Verdünnen der Farbe)
- Pinsel (z. B. da Vinci Nova)
Cyan, Magenta und Gelb: die Basics
01) Bei der subtraktiven Farbmischung (also in der Malerei und beim Druck) sind Cyan, Magenta und Gelb die sogenannten Primärfarben. Dabei handelt es sich um Farben, die nicht angemischt werden können, aber aus denen alle anderen Farben angemischt werden können.
02) 1:1-Mischungen der Primärfarben ergeben die sogenannten Sekundärfarben:
- Magenta + Gelb = Rot
- Magenta + Cyan = Blau
- Cyan + Gelb = Grün
03) In der Theorie ist Schwarz eine Mischung aus allen Farben. Da in der Praxis aber meist eher ein dunkles Braun-Grau entsteht, lohnt sich für einen Satten Schwarzton auf jeden Fall eine gesonderte Farbe (hier Tiefschwarz).
Wenn du ein bisschen mit den Farbtönen herumexperimentierst, wirst du merken, dass du mit den Primärfarben richtig reine, leuchtende Farbflächen hinbekommst. Gouache kann im Auftrag etwas streifig erscheinen, sie trocknet aber in der Regel glatt und komplett matt. Die Farben trocknen außerdem etwas heller als sie beim Anmischen erscheinen.
Wenn die Farbe direkt aus der Tube etwas zu zähflüssig ist, kannst du sie auf der Palette mit ein bisschen Wasser verdünnen, dann lässt sie sich geschmeidig auftragen.
Der Farbkreis
Für einen Farbkreis mit Primär-, Sekundär- und Tertiärfarben brauchst du zwölf Felder.
4) Die Primärfarben können direkt aus der Tube mit jeweils drei Feldern abstand ausgefüllt werden.
5) Die Sekundärfarben (also Mischverhältnis 1:1) kommen jeweils in die Mitte der Primärfarben.
6) Jetzt kannst du die sogenannten Tertiärfarben ausfüllen. Diese entstehen, wenn du eine Primärfarbe 1:1 mit einer Sekundärfarbe mischt (oder zwei Primärfarben ungefähr 1:3):
- Gelb + Rot = Orange
- Rot + Magenta = kalter Rotton (Rosarot)
- Magenta + Blau = Violett/Lila
- Blau + Cyan = kalter Blauton
- Cyan + Grün = kalter Grünton (Blaugrün oder Petrol)
- Grün + Gelb = Warmes Grün (Grüngelb)
Denk immer daran, dass Farben auf einem Spektrum existieren. Du kannst hier also nicht viel falsch machen, und genaue Regeln musst du auch nicht befolgen.
Farben, die näher an Gelb liegen gelten als "warme" Farben, und Farben die in Richtung Cyan liegen, nennt man "kalte" Farben. Ein Gelbton mit leichtem Cyan-Anteil ist zum Beispiel ein "kaltes Gelb" und mit leichtem Magenta-Anteil ein "warmes Gelb". Ein Blauton der in Richtung Lila liegt gilt als warm, in Richtung Türkis/Grün als kalt.
Helligkeit und Sättigung
A) Am einfachsten lässt sich eine Gouachefarbe aufhellen, indem du sie mit Wasser verdünnst. Das beeinflusst allerdings auch die Deckkraft der Farbe, das heißt je nach Motiv kannst du diese Methode nicht überall anwenden.
B) Du kannst die Farbe auch mit Deckweiß mischen, um diese aufzuhellen - zum Beispiel um starke Pastelltöne zu erzielen - oder mit Tiefschwarz abdunkeln. Für schöne Schatten-Nouancen kannst du aber auch mit Blau, Lila oder Komplementärfarben experimentieren.
C) Komplementärfarben liegen im Farbkreis in etwa gegenüber voneinander. Wenn du sie miteinander mischst, ergeben sie meistens gräulich-bräunliche Farbtöne. Du kannst damit auch die Sättigung bzw. Leuchtkraft eines Farbtons verringern. Grüntöne sehen zum Beispiel oft etwas natürlicher aus, wenn ihnen ein kleines bisschen Magenta beigemischt wird.
Farben zu mischen ist keine exakte Wissenschaft, sondern vor allem Übung, Beobachtung und Experimentierfreude. Gerade Gouache eignet sich perfekt dafür, verschiedene Farbstimmungen auszuprobieren und ein Gefühl für warme, kalte, kräftige oder gedämpfte Töne zu entwickeln.
Mach dir also keinen Stress wegen „perfekter“ Mischverhältnisse – oft entstehen die schönsten Farben genau dann, wenn man einfach ausprobiert. Viel Spaß beim Experimentieren mit deinem Farbkreis und beim Entdecken deiner eigenen Lieblingsfarbtöne!
Und wie immer bekommst du alles, was du zum Nachmachen brauchst, bei uns in der Ursulinerstraße 13 in Aachen.
